Wie wird es wohl werden? Das war eine der Fragen, die ich mir gestellt habe, damals vor mehr als einem Jahrzehnt. Ich wollte unbedingt lange Laufen. Zum einen um es mir selbst zu beweisen, weil ich Spaß am Laufen hatte, um zu sehen warum denn so viele es schon geschafft hatten und auch um meinen Onkel zu ehren. Meinen ersten Halbmarathon bin ich gelaufen mit ein wenig Vorbereitung, keiner Ahnung und viel Motivation.
Zu diesem Zeitpunkt habe ich in Würzburg studiert und neben regelmäßigen Thaiboxen beim Uni-Sport Fußball beim TSV Grombühl in der Kreisliga gespielt.
Das Haar war dichter und das Leben als Student unbekümmerter.

Die Vorbereitung
Einen Monat vor dem Halbmarathon hatte ich mir die Challenge gesetzt einmal 2 Stunden ohne Unterbrechung zu laufen. Aus heutiger Sicht eine sinnvolle Maßnahme, wenngleich mitunter dilettantisch in der Ausführung. Wie mir meine Motivation als „junger“ Mensch flüsterte, lief ich einfach los mit diesem einen Ziel mehr als 2 Stunden laufend unterwegs zu sein. Ohne Wasser oder anderweitige Verpflegung machte ich mich auf den Weg. Am Ende wurden es sogar 2 Stunden und 20 Minuten allerdings auch nur weil die letzten 5 Kilometer nicht nur zäh wie Kaugummi waren und ich immer langsamer wurde, sondern auch weil sie knapp 45 Minuten dauerten. Danach war der Tag für mich gelaufen. Die Couch und das Bett waren die nächsten Stunden meine steten Begleiter und besten Freunde. Im Nachhinein würde ich sagen, „hättest du halt einen Snack und etwas zu trinken dabei gehabt“ 😅. Nichts desto trotz trug ich von dem Moment an tief in mir drin den Stolz es geschafft zu haben. „Wow“ 2 Stunden am Stück Laufen, was Monate zuvor und über viele Jahre undenkbar gewesen war. Noch heute schwingt in der Erinnerung, dieses einzigartige Gefühl meine eigenen Grenzen überwunden zu haben, mit. Wozu das noch führen sollte, war mir zu diesem Zeitpunkt bei weitem nicht bewusst.
Der Lauf
Die Strecke in Würzburg ist ein wenig hügelig und versehen mit einigen Engstellen, doch wunderbar gelegen mit schönen Abschnitten durch die schnuckelige Altstadt. Das Wetter war, wie es an einem Sonntag Ende Mai zu erwarten sein kann, sonnig warm. Mit einer einfachen Digitaluhr, ohne Strategie und mit meinen feschen New Balance Joggern ging es an die Startlinie. An den eigentlichen Start kann ich mich gar nicht mehr erinnern. Auf den ersten 3 Kilometern hieß es für mich „Rhythmus finden“. Das gelang mir ganz gut. Da ich auch noch keine Vorstellung von Zielzeiten und Paces hatte, lief ich unbedarft meines Weges entlang des Mains. Ab Kilometer 5 wurde mir bewusst, dass es ein ordentliches Stück Arbeit würde, da insbesondere an diesem Abschnitt die Sonne unnachgiebig auf den grauen Beton und mir auf den Kopf schien. Trinken würde ich müssen. In meinem Groove und mit der Freude am Laufen griff ich beherzt an den Verpflegungsstellen zu und löschte den immer wieder kehrenden Durst. So verflogen die nächsten 10 Kilometer in Windeseile. Was für mich heutzutage undenkbar ist, ich hatte gar keine Ahnung wie schnell ich unterwegs war und damit, wann ich ankommen werde. Wie sehr sich die Zeiten doch ändern. Mittlerweile war ich über eine Stunde unterwegs und meine Oberschenkel meldeten sich. Sie wurden fester und fester und somit wechselte ich vom freudigen Laufen in den läuferischen Überlebensmodus. Das klassische auf die Zähne beißen setze jetzt ein und ich wollte nur noch ankommen. Jeder überwundene Kilometer versetzte mich vorsichtig in innerliche Freudensprünge. Mit der Feststellung, dass ich die 20 Kilometer Marke überschritten hatte, brachte mir die Freude über das baldige Ende noch letzte Energien hervor und machte den Schmerz vergessen. 3, 2, 1,… Zieleinlauf. Geschafft!

Zeit fürs Festmahl. Die Zielverpflegung war allererste Sahne. Wassermelonen, Brezeln, Weintrauben, Riegel, allerlei Getränke, Ananas und Bananen, somit war alles da, was das Läuferherz nach vielen Kilometer höher schlagen lässt.
Als mein erster langer Lauf im Rahmen einer Veranstaltung wird er mir immer sehr in Erinnerung bleiben. Was bleibt? Es bleibt das Gefühl es geschafft zu haben. Ohne große Vorbereitung und mit genügend konnte ich die Grenzen, die in meinem Kopf existierten, nichtig machen. Denn zuvor hielt ich Strecken von mehr als 15 Kilometer für eine überwältigende Aufgabe, von einem Halbmarathon oder gar einen Marathon ganz zu schweigen. „Ab jetzt geht alles“ war mein Gedanke. Ich sollte rechtbehalten, wenngleich es einige Zeit dauern sollte. „The next big thing“ -> Transalpine Run 2021
Für Statistikfreunde hier noch die Laufzeit: 1:35:10 👍🏽
Vielen Dank fürs Lesen!
